Interview mit Karl Frint

Die Abschaffung des Hausbesorgergesetzes, eine sozialpolitische Schande?

Dr. Michael Neugebauer Vorsitzender des Vereines Ö-Plus interviewt zum Thema Hausbesorger NEU den Vorsit- zenden des Zentralbetriebsrates Wie- ner Wohnen Karl Frint

Dr. Michael Neugebauer: Herr Vorsit- zender, lieber Karl, im Juni dieses Jah- res hat der Bürgermeister von Wien, Dr. Michael Häupl, mit der Ankündigung aufhorchen lassen, daß es in Zu-

kunft wieder Hausbesorger geben soll. Stimmt sie eine solche Aus- sage zufrieden?

Vorsitzender Karl Frint: Natür- lich hört man gerne, wenn eine langjährige Forderung der Be- triebsräte, der Gewerkschaft und aber auch der sozialdemokrati- schen Partei, von so einer mächti- gen Person wie dem Wiener Bür- germeister eingefordert wird.

Dr. Michael Neugebauer: Wieso der sozialdemokratischen Partei?

Vorsitzender Karl Frint: Diese Forde- rung wurde am Bundesparteitag der SPÖ in Linz beschlossen. Danach wur- de Dr. Alfred Gusenbauer zum Bundes- kanzler gewählt und jetzt ist der ehema- lige Wohnbaustadtrat und Kenner der Materie Werner Faymann Bundeskanz- ler.

Dr. Michael Neugebauer: Das hört sich ein bißchen Skeptisch an?

Vorsitzender Karl Frint: Na ja. Wenn man seit 9 Jahren immer wieder vor Wahlen versichert bekommt „Wenn die SPÖ an die Regierung kommt, ist es soweit“ wird man vielleicht ein bißchen skeptisch.

Dr. Michael Neugebauer: Sie werden aber nicht geglaubt haben, daß die Schwarz / Blaue Regierung ein Hausbe- sorgergesetz NEU beschließt.

Vorsitzender Karl Frint: Nein, das war uns schon klar, aber was ist von 2006 bis heute?

Dr. Michael Neugebauer: Welche Aus- wirkung hatte die Außerkraftsetzung des Hausbesorgergesetzes.

Vorsitzender Karl Frint: Seit dem Jahr 2000 sind fast 10000 Hausbesorgerpos- ten und damit Arbeitsplätze, allein in Wien verloren gegangen. Wenn man bedenkt, daß der Großteil der Beschäf- tigten Frauen waren ist diese Maßnah- me eine sozialpolitische Schande

Dr. Michael Neugebauer: Warum ist es eigentlich noch wichtig ein neues Haus- besorgergesetz zu haben?

Zentralbetriebsratsvorsitzender Karl Frint im Gespräch mit Ö-Plus

Vorsitzender Karl Frint: Wichtig ist es nur für diejenigen die keinen Hausbe- sorger mehr haben und einen wollen. Sprich jenen Mietern die auf ihre An- sprechperson Vorort nicht verzichten wollen. Auch jene deren Sicherheitsge- fühl durch die Tatsache verstärkt wird, daß sich jemand im Haus befindet der dort nicht wohnt, dem auffällt wenn eine Eingangstüre beschädigt wurde oder ein Fremder an der Wohnungstüre manipuliert.

Dr. Michael Neugebauer: Was soll sich Ihrer Meinung nach bei den Arbeitsauf- gaben noch ändern?

Vorsitzender Karl Frint: Wir als Funkti- onäre stellen uns auch vor, daß in Zu- kunft das Betätigungsfeld des Hausbe- sorger nicht nur auf die Reinigung redu- ziert wird. So soll der zukünftig Be- schäftigte nicht nur zusätzliche Instand- haltungsarbeiten sondern auch kleine Verwaltungstätigkeiten übernehmen. Damit wird nicht nur die Betreuung an dem Mieter intensiver sondern auch die Möglichkeit einer Reduzierung der Be- triebskosten und Erhaltungskosten ge- schaffen.

Dr. Michael Neugebauer: Was passiert dann eigentlich mit den vielen Hausbe- treuern die es jetzt schon gibt?

V orsitzender Karl Frint: Ich bin mir sicher, daß es viele Hausbewohner gibt die mit dem System ohne Hausbesorger zufrieden sind. Wir von Seite der Ar- beitnehmervertreter waren immer der Meinung, daß der Mieter eine Wahl- möglichkeit zwischen Hausbetreuer und

Hausbesorger haben soll.

Dr. Michael Neugebauer: Apropos Wahl. Wie werden sich die Hausbe- sorger bei der nächsten Landtags- wahl in Wien verhalten?

Vorsitzender Karl Frint: Prinzipiell muß gesagt werden, daß die Berufs- gruppe der Hausbesorger ein Berufs- stand mit einem sehr ausgeprägtem sozialen Gewissen darstellt. Dies haben wir immer wieder mit Hilfsak- tionen unter Beweis gestellt. Ich bin mir daher sehr sicher, daß diese Ein- stellung das Wahlverhalten sehr be-

einflussen wird. Aber auch die vergan- genen Jahre, wer wann etwas für diese Berufsgruppe getan hat, wird für einige den Ausschlag geben wie er wählt.

Dr . Michael Neugebauer: Stimmt es eigentlich, daß alle Hausbesorger „Rote Parteisoldaten“ sind.

Vorsitzender Karl Frint: Also das Wort „Parteisoldat“ lehne ich ab. Es stimmt schon, daß viele aus ihrer sozialen Ein- stellung heraus den „Roten“ zuzuordnen sind. Ich kenne jedoch auch viele die anderen Parteien den V orzug geben. Eines haben wir jedoch gemeinsam. Wir sind nicht nur politische Stim- mungsbarometer sondern auch Stim- mungsmacher in den Wohnhausanla- gen.

Dr. Michael Neugebauer: Wäre es da nicht besser, daß man es sich mit Euch nicht verscherzt.

V orsitzender Karl Frint: Ich möchte das lieber positiv formulieren. Mit uns an seiner Seite hat man auch gewisse Vor- teile.

Dr. Michael Neugebauer: Lieber Karl, ich danke dir für das Gespräch.

Post Author: oeplus